wer sind wir?

Das Netzwerk Antidiskriminierung hat das Ziel, eine professionelle Antidiskriminierungsarbeit in der Region Reutlingen und Tübingen aufzubauen. Wir…

…bieten individuelle Beratung für Menschen an, die von Diskriminierung betroffen sind.

…bieten Unterstützung (zum Beispiel Geld, Räume, Kontakte) und Ressourcen für Menschen, die Diskriminierung erlebt oder empfunden haben, um sich selbst und im Austausch mit anderen zu stärken (Empowerment)

…organisieren Bildungsangebote im Bereich Antidiskriminierung. Dazu gehören Fort- und Weiterbildungen, Workshops, Fachtagungen, Projekte

… mischen uns ein: durch Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit, durch die Vernetzung unterschiedlicher Menschen und durch lokales und landesweites politisches Handeln

Das Netzwerk Antidiskriminierung unterstützt den Aufbau eines Landesnetzwerks Antidiskriminierung.

Geschichte

Im Jahr 2010 reichte ein junger Schwarzer Mann aus Reutlingen Klage ein, weil ihm mehrfach der Eintritt in eine Reutlinger Diskothek verwehrt wurde. In zweiter Instanz wurde ihm vom Oberlandesgericht Tübingen auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz [AGG] Recht gegeben und Schadensersatz zugesprochen. Der Fall stieß vor Ort und bundesweit auf breites öffentliches Interesse. Es zeigte sich im sogenannten „Diskofall“,  dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Diskriminierung ist eine alltägliche Erfahrung für viele Menschen, nicht nur in Reutlingen.

In Fachkreisen wurde rasch deutlich, dass der junge Mann die Klage nur deshalb gewann, weil er Beratung und Unterstützung durch das Berliner „Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung“ bekam. In Reutlingen und Umgebung fehlte hingegen solch ein Angebot, das Menschen bei Diskriminierung berät und vertritt. Das seit 2006  geltende AGG kann deshalb auch nicht zur Geltung kommen. (Infos zum AGG: hier klicken)

Daraufhin gründete sich auf Initiative des soziokulturellen Zentrums „franz.K“ und des „Netzwerk Migration/lntegration“ der Stadt Reutlingen im Frühjahr 2012 ein offene Gruppe – der sogenannte „Runde Tisch Antidiskriminierung“. Dieser setzte sich aus einer Vielzahl an Einrichtungen, Institutionen, Initiativen und der Stadt zusammen.

Gründungsziel des Runden Tisches war es, in Reutlingen ein Antidiskriminierungsbüro aufzubauen. Dort sollen Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, professionelle Beratung und Unterstützung bekommen. Außerdem wollte der Runde Tisch dazu beitragen, die Alltäglichkeit von Diskriminierung in der Reutlinger Öffentlichkeit zu thematisieren. Ebenso sollte ein gemeinsamer Prozess der Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung in Gang gesetzt werden.

In Kooperation mit dem „Fachdienst Jugend Bildung Migration“ [FJBM] der Bruderhaus Diakonie wurden mehrere Projekte beantragt und bewilligt. Mit den Fördergeldern wurde der Aufbau eines Antidiskriminierungsbüros finanziert.

Im Jahr 2014 gründete sich auch in Tübingen ein „Runder Tisch Antidiskriminierung“, der ebenfalls aus einem breiten Netzwerk besteht.

Ende 2014 schlossen sich der Runde Tisch Tübingen und der Runde Tisch Reutlingen zum Verein „Netzwerk Antidiskriminierung e.V.“ – Region Reutlingen/ Tübingen zusammen. Über neue Projektgelder wurde der Aufbau der Beratungsstelle, ein Antidiskriminierungsprojekt mit Jugendlichen und Empowermentgruppen finanziert. Dies erfolgte mit Unterstützung des „Fachdienst Jugend Bildung Migration“. Seit Mitte 2015 bieten wir individuelle Beratung für Menschen an, die Diskriminierung erfahren haben.

 

Mitglied werden

Der Erfolg/ die Wirksamkeit des Netzwerks hängt davon ab, wie viele Mitglieder und Unterstützer_innen das Netzwerk hat. Wir freuen uns über alle Formen der Unterstützung: Mitarbeit, Ideen, Teilnahme an Veranstaltungen und Workshops, Spenden, …

Klicken, um zum Aufnahmeantrag zum Ausdrucken zu kommen.

Für weitere Informationen, E-Mail an: info [at] nw-ad [dot] de

 

Artikel zu Projekte

TAL.K.

TALK. ist ein Reutlinger Antidiskriminierungsprojekt mit Jugendlichen und startete im Herbst 2015 ins dritte Jahr.

TAL.K. ist die Abkürzung für „Tanz/Musik und Aktion im Landkreis Reutlingen“. Sie steht für das Wort „Ergreifen“. TAL.K. unterstützt Jugendliche dabei, sich von Erfahrungen der Ausgrenzung und Diskriminierung nicht abwerten zu lassen, ihre eigenen Kräfte zu entfalten und sich miteinander  zu stärken. Wir sprechen hier auch von empowern.

Das Projekt richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Es ist vor allem für Jugendliche gedacht, die in der Gesellschaft eine Form von Ausgrenzung erfahren: zum Beispiel durch einen zugeschriebenen oder tatsächlichen Migrationshintergrund, aufgrund ihrer Hautfarbe, einer Behinderung, ihres sozialen Status wie zum Beispiel Einkommen oder Schulbildung, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer sexuellen Orientierung oder ähnlichem. Aber auch Jugendliche, die nicht von Diskriminierung betroffen sind oder dies nicht so empfinden, können an dem Projekt teilnehmen.

In künstlerischen Workshops (Theater, Rap, HipHop Tanz, Foto-Streetart) greifen Jugendliche „ihre“ Themen auf und drücken diese auf künstlerische Weise aus. Am Ende des Schuljahres präsentieren die Jugendlichen die selbst erarbeitete  Darstellung auf der großen Bühne des Kulturzentrum „franz.K“.

Die Jugendlichen werden von künstlerischen Fachkräften begleitet. Darüber hinaus stehen den Jugendlichen während des kreativen Prozesses  Mentor_innen zur Seite, die Diskussion und Reflexion ermöglichen.

Das Netzwerk Antidiskriminierung e.V. wird unterstützt durch das Förderprogramm „Lokal vernetzen – demokratisch handeln“ der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg (LAGO).